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Drei Perspektiven - Paracelsus, Ayurveda und moderne westliche Medizin- Teil 1

  • Autorenbild: LXIR
    LXIR
  • 21. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit


Verfasser Alexander Heilinger -LXIR:


In diesem Blogeintrag wollen wir drei große Systeme, nämlich die moderne Medizin, indische Medizin (Ayurveda) und das Ens System von Paracelsus gegenüberstellen. Und ja oft machen mehrere Perspektiven Sinn, um das große Ganze besser zu verstehen.

Alle Systeme sehen das Wirken und die Dynamiken von Krankheiten aus unterschiedlichen Blickwinkeln. In den folgenden Absätzen wird eine Übersicht über die Blickwinkel jedes System gegeben. Abschließen wollen wir mit einer Einordnung, wann sich welches System eignet.

 

Moderne Medizin

Die moderne Medizin hat ihren grundsätzlichen Erkenntnisgewinn in der Empirie. Um diesen Ansatz zu verfolgen hat sich eine „Teilen und Herrschen“ Strategie entwickelt: Der Mensch wird dabei auf materieller Ebene immer weiter aufgespalten. So soll es Ärzte geben, welche sich auf bestimmte Systeme oder Organe im Körper spezialisieren und das Gesamtbild verlieren. Der Psychiater kümmert sich um die Psyche, der Neurologe um das Nervensystem, der Kardiologe um das Herz usw. So ist der westliche Ansatz grundsätzlich davon geprägt, immer mehr Teile zu erzeugen, diese einzeln zu erforschen und sich so immer mehr einer „Wahrheit“ anzunähern.


Das ist nicht nur der Ansatz bei der Aufteilung von Menschen, sondern gleiches gilt bei Krankheiten an sich. Nehmen wir zum Beispiel das Feld der Infektionskrankheiten. Manche von ihnen werden durch Viren, manche durch Bakterien verursacht. Diese lassen sich wieder auf Grund ihrer Zellwände in Gram-positive und Gram negative Bakterien unterteilen. Jedes Bakterium lässt sich am Ende individuelle mit Antibiotika behandeln.  


Dabei ist die Grundidee, wie oben beschrieben, immer präziser zu werden, um die Quelle der Krankheit zu finden. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auch auf der materiellen Wirkursache der Krankheit, welche vom Menschen und allen seinen Bedingungen getrennt wird. So könnte man sagen, dass moderne Medizin dazu dient, Krankheits- und Symptomursachen zu behandeln und nicht den Menschen ans sich zu gesunden. So finden sich in publizierten Forschungsstudien nicht Daten über einzelne Personen, sondern wie man eine Ursache behandelt wie z.B. Depression oder Herzinfarkte usw.

Dieser Fundamentalansatz schlägt sich auch in der Forschungsmethode und Mentalität an sich nieder. Der goldene Standard ist hier die sogenannte Randomised Control Trial (RCT). In RCT wird versucht, soviel wie möglich von der Individualität der einzelnen Teilnehmer durch Randomisierungsverfahren zu entfernen, um auf einen objektiven gemeinsamen Nenner zu kommen. So sollte im besten Fall das einzige Signal, welches verfolgt wird, der Krankheitsverlauf an und für sich sein, weshalb es auch in diesem Fall Kontrollgruppen gibt. Wenn in diesem Fall nun das „reinste“ Signal übrigbleibt und es objektiv feststeht, was die Quelle des Krankheitsverlaufes ist, kann man auch das „reinste“ und beste Heilmittel finden. Doch gerade hier besteht auch die größte Herausforderung:

Wenn man nach dieser Methode das beste Heilmittel findet und es den Patienten verabreicht, gibt es in den seltensten Fällen eine 1:1 Übersetzung. Eine Krankheit existiert immer in einer Person. So kann man die Frage stellen:

 „Was ist das Beste derzeit bekannte und evidenzbasierte Medikament gegen Krankheit XY?“ so wird diese Frage leicht zu beantworten sein. Doch wenn sie lautet „Was ist das beste derzeitige bekannte und evidenzbasierte Medikament gegen Krankheit XY für den spezifischen Menschen XY?“ ist die Antwort im ersten Moment - „Keine Ahnung!“

 

 

Indische Medizin

Ayurveda hat im Gegensatz zur modernen westlichen Medizin einen anderen Ansatz. Anstatt immer detaillierter zu werden, versucht man kleine Dinge zu beobachten und so auf ein Muster zu stoßen, welches alles beinhalten sollte. Dabei nimmt man als Datengrundlage viele kleine Details und geht in die andere Richtung bei der Erstellung eines Behandlungsplanes.

Auf Grund dieser Vorgehensweise hat man im Ayurveda-System entdeckt, dass sich Krankheiten nicht von Personen trennen lassen. Eine einfache Vorgehensweise ist hier dargestellt, wie das Konzept der Doshas in indischer Medizin entstanden ist:

Zuerst wurde der Metabolismus bei verschiedenen Personen beobachtet. Man fand heraus das es Leute gibt, welche einen schnellen Metabolismus hatten, somit viel essen konnten aber kaum Gewicht zunahmen, welche die einen eher langsamen Metabolismus hatten und wenn sie viel aßen, sehr schnell sehr viel zunehmen und welche die einen ziemlich ausgeglichenen Metabolismus besaßen. Man erkannte auch, dass es Leute mit unterschiedlichen Mentalitäten gab:

Welche, die sich Dinge sehr schnell merken, aber sie auch genauso schnell wieder vergaßen. Andere Leute brauchen sehr lange, um sich Dinge zu merken, diese wurden aber auch nicht mehr vergessen. Und ähnlich wie beim Metabolismus gab es auch Leute, die in der Mitte lagen. Als sie diese und andere körperliche und mentale Eigenschaften erkannten, fanden sie auch Korrelationen zwischen ihnen und kamen auf höher einzuordnende Muster. So fanden sie heraus, dass Leute mit einem langsamen Metabolismus anfälliger für Depressionen waren. Personen mit schnellem Metabolismus waren dafür anfälliger z.B. für ADHS. Um diese Beobachtungen in Konzepte zu verpacken, verständlich zu machen und zur Anwendung zu bringen, entwickelten sie auf das Konzept der Doshas.

Ein Dosha ist sowas ähnliches wie eine elementare Balance. Dabei wurden drei Haupt-Doshas entwickelt: Vata (Luft), Pitta (Feuer) und Kapha (Wasser und Erde). Man kann die Doshas zwar nicht mit herkömmlichen Messungen nachweisen, doch interessanterweise hat man eine Korrelation zwischen genetischer Disposition und gewissen Grundlevel an Doshas nachweisen können, welches Prakruti genannt wird.


So gibt es hier genetische Hinweise, wie die natürliche Elementzusammensetzung bzw. wie die Prakruti einer Person aussieht. Der Begriff Vikriti beschreibt das Ungleichgewicht der Elemente in einem System. So werden Krankheiten in Ayurveda als Ungleichgewicht Vikriti der Doshas angesehen. Anders als im westlichen System ist hier die Krankheit immer mit der Person und ihrer Doshas verbunden (oder im weitesten Sinne, wenn man es jetzt extrapolieren möchte mit der genetischen Grundausstattung. Dies wäre eine eher westliche Interpretation).


Wie es mit dem ENS-System nach Paracelsus aussieht, erfahrt ihr im nächsten Teil.

 
 
 

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